Monday, September 23, 2019

“He’s got the whole wide world in His hands”

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Wir folgen dem Lamm Gottes
Predigt von Duurt Sikkens


 
Wir alle kennen das Gleichnis des verlorenen Schafes. Diese Geschichte möchte ich jetzt gerne erst mal lesen. Wir fangen darum mit Matth.18,10 an, wo Jesus die kleinsten Kinder zu sich nimmt, sie segnet und zunächst die Erwachsenen mit diesen Kleinkindern vergleicht. Er nennt diese Erwachsenen auch “die Kleinen”. Das alles brauche ich euch nicht zu erzählen, das ist ja eine bekannte Geschichte.
Er sagt noch einiges über die Kleinen und sagt dann plötzlich: ”Seht zu, daß ihr nicht eines dieser Kleinen verachtet”. Das betrifft nicht Kinder, das betrifft geistliche Kinder denn danach steht: Ich sage euch, daß ihre Engel in den Himmeln allezeit das Angesicht meines Vaters schauen, der in den Himmeln ist. Das sind die Gläubigen. Denn, wenn du davon ausgehen würdest,  daß alle Kinder in der ganzen Welt einen Engel hätten, dann verrichten diese Engel ihre Arbeit sehr schlecht, denn es sterben viel zu viel Kinder, wie du wohl weißt. Also müssen wir weiter suchen. Es geht hier über die Kleinen, und diese Kleinen sind wir selbst. Wir sind nicht groß, sondern klein. Das griechische Wort für klein ist “mikron” und jeder weiß, was ein “Mikronmensch” ist. Das bist du. Ja, darüber muß man nachdenken. Verachte sie nicht, sagt Jesus. Verachten bedeutet herabschätzen. Das passiert, wenn ein Mensch sich selbst für wichtiger hält als einen anderen Menschen.  Herabschätzen bedeutet also auf andere herabschauen, sich selbst für wichtiger halten. Das ist herabschätzen. Und Jesus hatte immer ein Vorliebe für das Kleine, das Geringfügige, die Unwichtigsten, die Tiefstgesunkenen, die Letzten, für jene Leute, die nicht auffallen in der Welt. Und die Engel dieser Gläubigen haben immer Kontakt zum Vater. Dann folgt ein starker Ausspruch von Jesus: Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, das Verlorene zu retten. Das ist der Kern seiner Verkündigung: Ich muß versuchen, das, was ich verloren habe, wiederzufinden und es bei mir halten. Dazu bin ich gekommen.
Was machst du, wenn du etwas verloren hast?  Wenn du jemand verloren hast? Suchen! Und darüber geht dieses Gleichnis, denn die Frage, die ich mich immer fragen muß, und das auch tue, ist: Ist es mein Ziel, zu retten oder nicht? Will ich retten, was möglich ist, oder nicht? Denn, wenn ich es los lasse, dann geht es auch verloren, dann verliere ich es.
 
Was meint ihr? sagt Jesus. Das ist wieder so eine typische Frage von Jesus, worüber man schnell hinweg liest, die man schnell übersieht. Was meint ihr eigentlich? Und ich denke, daß er ein Moment der Stille entstehen lässt, damit die Leute nachdenken können. Im 12. Vers dieses Kapittels lesen wir zunächst: Wenn ein Mensch hundert Schafe hätte und eins von ihnen sich verirrte, läßt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen und geht hin und sucht das Irrende? Und wenn es geschieht,  daß er es findet, wahrlich ich sage euch, er freut sich mehr über dieses als über die neunundneuzig, die nicht verirrt sind. So ist es nicht der Wille eures Vaters, der in den Himmeln ist,  daß eines dieser Kleinen verloren gehe. Hier geht es über die Kleinen. Was meint ihr? Eine andere Übersetzung lautet: oder denkt ihr, daß  es anders gemeint ist? Toll, nicht? Oder denkt ihr, daß es anders gemeint ist? Denn dann habt ihr noch nichts von Gott verstanden. Hier steht: ein Mensch, aber im Urtext steht eigentlich: ein willkürlicher Mensch. Und dann dieses berühmte Wort “verirrt”. Dieses Wort bedeutet im Kern der Sache: auf Irrwegen sein.
 
Ich erinnere mich noch daran, daß ich mal in Amsterdam abends eine bestimmte Straße suchte und merkte, daß alle Straßen wegen eines Marathonlaufes abgesperrt waren. Plötzlich dachte ich bei mir, ich erkundige mich bei jemand nach dem Weg. Dann ging ich auf einem Ehepaar zu und sagte: Ich habe den Weg verfahren. Die Frau wandte sich um,  ein Alkoholqualm blies sie mir ins Gesicht, und antwortete mir: Ach, mein Herr, wir alle haben wohl mal den Weg verfahren.
Man kann sich als einziger nur verirren, wenn man zu einer Herde gehört. Und darüber geht es hier, daß man zu einer Herde gehört. Und dann fangen diese Leute plötzlich an, in die Irre zu gehen.  In evangelischen und freien evangelischen Kreisen gibt es eine Menge Landstreicher: die sogenannten Relishoppers, Leute, die sich überall umschauen, ob es was zu erleben gibt. Aber sie sind die Herde losgeworden, und dadurch werden sie nicht mehr genährt, verstehst du. Der Hirte ist sie losgeworden. Das Wort im Urtext lautet: planaoo, das auch “zur Sünde verführt werden” bedeuten kann. In die falsche Richtung gelenkt werden. Das ist mir übrigens auch passiert. Ich sollte an die Vorherbestimmung glauben und an die Tatsache, daß  man immer Sünder bleibt. Du kannst mir glauben, daß man sich dann auf einem Irrweg befindet.  Das will man zwar nicht, aber trotzdem ist dem so. Und es gibt viele Kreisen, die sich die wahnsinnigsten Theorien ausgedacht haben, um in diesen Wegen zu wandeln. Ganz fremde Denkrichtungen, die einem Menschen kein Gutes tun.  Man wird vollkommen verführt. Verführen bedeutet:  in eine andere Richtung führen, und dieses Wort kommt am meisten im Buch Offenbarung vor. Man kann sich also vorstellen, daß die Verführungen zunehmen werden. Sehet zu, daß du nicht verführt wirst.  Darum bete auch ich: Führe uns aus der Versuchung heraus, errette uns von dem Bösen. Der Teufel ist nämlich der große Verführer und wird auch so gesehen und erkannt. Der Versucher. Immer versucht er, einen Menschen aus Gottes Nähe zu führen denn das ist sein Ziel. Du darfst nicht ungestört und glücklich leben. Er ist ein Räuber. Und der Gläubige läuft herum wie ein leicht verletzbares kleines Schaf. Das griechische Wort bedeutet gleichzeitig: betrogen werden. Man erzählt dir was, was sich nachher herausstellt, nicht richtig zu sein. Vor allem, wo es körperliche Heilung betrifft. Hier finden sich viele Enttäuschungen vor. Und diese arme Schafe lassen sich von allerhand Menschen die Hände auflegen, am liebsten an fernen Orten.  Es bedeutet auch, daß man in die Irre geführt wird. Das sind nicht die Pfade der Gerechtigkeit in Psalm 23. In evangelisch-charimatischen Kreisen z.B. stößt man auf die Anbetung des Hl.Geistes. Man kann sich kaum vorstellen, was man hört.  Man kann den Hl.Geist nicht anbeten. Das steht klipp und klar in Offenbarung: Betet Gott an ! Nirgends findet man in der Bibel einen Tekst, der von Anbetung des Hl.Geistes spricht. Ziemlich vage also. Man kann leicht berauscht werden. Jesus warnt uns in Lukas 21, 34: Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht etwa beschwert werden durch Völlerei und Trunkenheit. Damit sind nicht die Drogensüchtigen, sondern die Religionssüchtigen gemeint. Geistlich werden sie berauscht, wie damals mit dem goldenen Kalb. Es bedeutet auch, daß man sich irrt. Ich habe mich geirrt. Ich sage dir, daß ich das alles auch erlebt habe, und wer von uns nicht?  Wer unter uns hat nicht erlebt, daß man versucht hat, dich auf eine falsche Spur zu bringen, um dich vom Ziel abzulenken, oder zur Sünde zu verführen? Oder daß du sagst: Ich habe mich geirrt!  Versetze dich mal in das Schaf, ein Gemeindemitglied, jemand, der zu einer Herde gehört. Sefanja sagt etwas darüber in Kap. 3,18. Da steht: Die fern von der Festversammlung trauernden sammle ich -  sie sind ja von dir!  Ein wunderbares Wort: Fern von der Festversammlung. Ich sammle sie, sagt der Hirte, denn sie sind ja von dir! Ist das nicht toll? Darauf richtet sich die Vox-Arbeit, auf die einzelnen Menschen, die Einzelwesen. Stell dir mal vor, daß du dich als Schaf völlig festläufst, du verirrst dich, oder was auch, aber du läufst dich fest. Das ist sogar möglich, wenn du hier sitzst. Du kommst jeden Sonntag ganz treu in die Versammlung, trotzdem ist es möglich, daß du geistlich in die Irre gegangen bist, daß du dich geistlich festgelaufen hast. Eigentlich bist du dann ein Heimatloser, vom Hirten entfremdet, denn es gibt keine Herde ohne Hirten, der die Herde beisammen hält. Es ist sogar möglich, daß man sich selbst entfremdet ist, daß man gar nicht mehr weiß, wer man eigentlich ist. Bin ich wohl ein Schaf? Gehöre ich wohl zur Herde? Eine Art geistliche Identitätskrise. Es hat aber auch mit Bindungsangst zu tun. Man wagt es nicht, sich einer Gruppe anzuschliessen, weil man soviel Wert auf seine Freiheit legt. Aber du verwechselst es mit Einsamkeit. Deine Gedanken können diesbezüglich sehr verworren sein. Hast du den Mut, dich einer Gruppe anzuschliessen, zu einer Gruppe zu gehören? Denn dein Leben hängt von dieser Gruppe ab. Wagst du es, einem anderen die Gelegenheit zu geben, dich zu lieben? Duldest du einen Nächsten neben dir, der dir Barmherzigkeit erweist, der dir gegenüber ganz gütig ist? Oder sagst du: Ich rette mich selbst. Ich möchte keinen belästigen? Und ähnliche Gedanken, die dich von der Liebe Gottes, die in anderen wirksam ist, trennen. Möchtest du geliebt werden oder kannst du dich nicht lieben lassen? Bist du daran nicht gewöhnt? Dann bist du jemand, der umarmt werden soll. Menschen, die völlig einsam sind, in geistlichem Sinne, werden bald zur Beute der Wölfe. Und welche Wölfe sind am gefährlichsten? Wölfe in Schafskleidern! Sie reden über den Herrn, unseren Gott, denn die Außenseite ist das Schafsfell. Aber Jesus empört sich über solche Wölfe in Schafskleidern.  Einmal sagt er, und ich sage es nicht so scharf wie er damals, er sagt: Ihr Heuchler, ihr durchzieht das Meer und das trockene Land, um einen Proselyten zu machen, und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.  So sagt er es. Er durchschaute sie. Ein Sohn der Hölle. Wölfe sind sie. Hesekiel  hat schon geweissagt: Wißt ihr, warum sie sich verirren? Weil es keinen Hirten gibt, der sie zusammen bindet.  Und die Ausrüstung eines guten Hirten, das wißt ihr, sind zwei Stäbe. Den einen nannte der Herr “Freundlichkeit” und den anderen nannte er “Verbindung”. Das lesen wir in Sacharja 11. Wißt ihr, was aber schlimm ist? Man sieht, wie ein Schaf sich von der Herde trennt und davon geht. Es geht in die Irre, es wird zur Sünde verführt, es irrt sich, es wird betrogen, einer von uns. Gibst du ihm einen Eselstritt nach? Schickst du einen Brief hinterher, eine Email? Dann bist du nicht richtig tätig, denn Gott sucht nur das Gespräch. “Geh einfach zu ihm hin”. Ein sehr beliebter Tekst vieler Menschen ist Matt.18,15: “Wenn aber dein Bruder sündigt, so geh hin, überführe ihn zwischen dir und ihm allein”. Wißt ihr, was im Urtext steht? Bringt ihn zurecht!. Du haust ihm nicht um die Ohren, denn er weiß selbst,  daß er gesündigt hat. Bringt ihn aber zurecht, damit er seinen Platz wieder einnehmen kann. Urteile nicht. Leute, die sich regelmäßig treffen, schreiben einander auch keine Mahnbriefe oder Emails. Judas ist auch Schlachtopfer geworden. Ihm wurde gesagt: Was geht uns das an? Sieh du zu! Matt.27,4. Das ist jemand einen Eselstritt nachgeben.  Und was wird aus diesem Schaf? Ein schwarzes Schaf. Es wird zu schnell und zu leichtfertig geurteilt. Man kann weiter gehen, nämlich diese Person aufsuchen, versuchen ihn zurechtzubringen. Es gelingt vielleicht nicht, aber zu zweit? Auch nicht! Dann sagt Jesus in Vers 17: Er sei dir wie der Heide und der Zöllner. Meine Frage lautet: Wer ging mit den Heiden und Zöllnern um? Unser Herr, denn wenn jemand wieder zum Heiden oder Zöllner geworden ist, kann man ihm das Evangelium wieder verkünden. Ganz von vorne! Schreibe niemals jemand ab! Sonst hast du noch nichts vom Evangelium verstanden. Du hast die Kleinen verachtet. Du darfst niemals einem seine Sünden nachtragen. Sie sind doch schon vergeben worden? Denke an deine Nachbarn! Wie redest du über sie? Wie denkst du über sie? Wie denken wir über einander? Habe ich ein Vorleben?  Ja, aber Gott sei Dank, es ist vorbei. Jemand noch einen Tritt versetzen ist aber sehr schlimm, denn dann gibst du einem, der schon auf dem Boden liegt, einen Tritt. Möchtest du selbst ein guter Hirte sein, möchtest du das?  Dann hast du die Menschen zu eigen, wenn nicht, dann bist du nur Mietling. Dann hat man noch nichts vom Opfer von Jesus verstanden, denn er starb für Freund und Feind. Er ist das schwarze Schaf gewesen. Das bedeutet, daß man von allem die Schuld bekommt. Aber Jesus hat sich entschieden, das schwarze Schaf sein zu wollen. Er nahm die Schuld aller auf sich. Selbst war er völlig unschuldig, trotzdem sagte er: Gib es mir, mach aus mir ein schwarzes Schaf, dann bist du es los geworden! Was hältst du davon? Ich brauche euch das Ritual am Versöhnungstag nicht mehr zu erklären. Die meisten von euch kennen das. Auf zwei Ziegenböcke wurden die Sünden des ganzen Volkes geladen. Das machte der Hohepriester. Dann legte er seine Hände auf den Kopf des Tieres, wonach dieses Tier in die Wüste geschickt wurde. Es nahm sinnbildlich alle Sünden des Volkes Israel auf sich. Das ist ein Bild unseres Herrn Jesus. In der englischen Sprache heißt diese Sündenbock “ scapegoat” . Vielleicht habt ihr mal davon gelesen. Scape ist von “ escape” abgeleitet worden, und das bedeutet “ entfliehen”. Du entfliehst dem Urteil Gottes durch  das Opfer von Jesus. “Also gibt es jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind” sagt Paulus in Römer 8, 1. Ein wunderbarer Mensch, unser Jesus: Gib mir deine Schuld.  Im Moment, wo Jesus am Kreuz hing, gab es im Himmel den Versöhnungstag. Durch dieses Geschehnis wurde alles erfüllt. Solch große Liebe und Barmherzigkeit hat uns Gott erwiesen. Dieser göttliche und geistliche Sabbat, an dem ein Mensch zur Ruhe kommen kann, hat auf Golgatha stattgefunden. Der Tag jenes Sabbats war groß sagt Johannes in Joh.19,31.
Die Liebe, sagt Paulus, die Liebe Gottes, die Agape – ist selbstlos, sie sucht nicht das Ihre. Kennst du diesen Tekst? Ich suche den anderen. So ist Gott auch. Ich suche den anderen, den ich verloren habe, wieder auf.  Ich bin so froh,  daß Jesus hier vom guten Hirten erzählt, der sagt: “ Ich lasse die 99 Schafe hier in der Wüste, die retten sich selbst” . Denn das eine Schaf liegt ihm mehr am Herzen als die 99 anderen Schafe,  Und wenn er es gefunden hat – eigentlich steht hier “ und wenn es passiert, daß er es findet – es ist nämlich auch möglich, daß er es nicht findet; der englische Text sagt: “ if he happens to find it”  wenn er das Glück hat, es zu finden. Denn er sucht, aber es ist sehr gut möglich,  daß er es nicht findet. Aber, wenn er es findet .. ..Was würdest du sagen? Vielleicht hat es große Angst, fühlt es sich schuldig. Zeige ihm,  daß du es gerne hast, daß du dich über ihn freust.  Ich finde es so komisch,  daß dieser Hirte sich mehr über dieses eine Schaf freut als über die 99 anderen. Er jubelt vor Freude. Wie würden die 99 anderen reagieren? Wir sind dir immer treu geblieben. Wir haben nie einen Feier gehabt!  Wie der Bruder des verlorenen Sohnes reagierte? Ihr hättet längst einen Feier veranstalten sollen. Mach ein Fest aus der Heimkehr und feiere mit diesem Hirten mit. Auch die Engel machen das.
Wir wollen ab heute Brüder und Schwestern, die Christen, die irregehen, die sündigen, ganz anders betrachten!  Suche einfach, ohne mit den Weltreligionen zu rechnen. Suche einfach. Man wird diesen Sündern überall begegnen, in jeder Kirche, in jedem Kreis. Es geht mich nur darum, daß unsere Motivation Barmherzigkeit ist. Sonst könnte es passieren, daß ein abgeirrtes Schaf sich fürchtet, zur Herde zurück-zukehren, wenn es erkennt, daß es irregegangen ist, weil es gesündigt hat. Denn dann bekommt es auch noch einen Stein am Kopf oder Prügel mit dem Stab.
Kann ein verlorenes Schaf sich an dich wenden? Was strahlst du aus? Vergebung? Barmherzigkeit? Oder verachtest du die Kleinen? Wirst du noch gerührt? Wodurch? Was bewegt dich, was vibriert mit in deinem Innern? Es kommt jemand in die Gemeinde und du kennst sein Vorleben. Ist er willkommen oder nicht? Vielleicht steht er beim Ausgang, mit zitternden Beinen und raucht eine Zigarre vor Nervosität! Ist er willkommen oder doch nicht? Wir lesen in der Geschichte vom verlorenen Sohn, daß sein Vater auf ihn zu rannte und ihn um den Hals fiel. Dieser Vater lief! So ein Vater!  Da ist er! So eine Ausstrahlung! Also frage ich mich – denn ich frage auch mich selbst – bin ich ein guter Hirte oder nicht? Kann jemand sich mir anvertrauen oder nicht? Oder sagst du so einem Menschen sofort deine Meinung? Schade! Ich habe lieber jemand, der mich schweigend umarmt und weiter nichts mehr sagt. Dann fühle ich mich sicher, wenn ich mich völlig verirrt habe.
 
Jetzt noch ein paar Gedanken über ein Schaf. Im griechischen Text steht das Wort: Probaton. Weißt du, was das bedeutet? Er, der voran geht, der an der Spitze steht.
Ein Schaf, aber es hätte auch eine Ziege sein können, es ist alles Kleinvieh, mikron. Ein Schaf ist Bild deines innerlichen Menschen, deines Geistes, deiner Seele. Jesus wählte ein sehr kleines Schaf, ein Lamm, etwas, worüber man nachdenken soll. Man könnte sogar lesen: Lämmchen. Kleiner geht’s ja nicht. Das Kleinvieh, das sind die Jünger, die noch nicht so lange her getauft wurden, die Neugeborenen.
 
Lesen wir mal den Abschnitt im 1. Mose 33, 13-14, wo Jakob mit seiner Herde und Kleinvieh seinem bruder Esau begegnet. Hier passiert folgendes: “Mein Herr weiß, daß die Kinder zart sind und das säugende Schafe und Kühe bei mir sind – du verstehst, daß es sich hier um die Gemeinde Jesu Christi handelt – wenn man sie nur einen Tag zu schnell triebe, so würde die ganze Herde sterben”.
 
Wie schnell schritt das Vieh vorwärts? Ganz langsam. Lesen wir weiter: “Mein Herr ziehe doch vor seinem Knecht hin! Ich aber, ich will einher ziehen nach meiner Gemächlichkeit, nach dem Schritt des Viehs, das vor mir ist und nach dem Schritt der Kinder”. Was hältst du davon? Ist der Jakob aber ein guter Hirte.  Er scheucht die Herde nicht auf. Er passt sich dem Tempo der Kinder und des Kleinviehs an. Das geht nicht schnell. Das Vieh steckt überall und schnuppert links und rechts und die Kinder machen sich ab und zu davon. Und was macht dieser Hirte dann? Mal warten, mal rufen. So ist unser Tempo. Paulus würde sagen: “Wer glaubt, wird nicht ängstlich eilen”. Die Kleinen, das Mikron, bestimmen das Tempo. So ein guter Hirte. Von Abraham und Jakob wird gesagt,  daß sie gute Hirten waren. Woher kommt das? Weil sie Gott selbst zum Hirten hatten. Und Gott scheucht nicht auf. Er hetzt die Herde nicht, sonder führt seine Schafe zu stillen Wassern.
 
Gibt es auch noch die Böcke. Wovon ist der Bock ein Symbol? Von den trotzigen Leuten, die nicht hören wollen. Sie haben auch etwas brutales, ein großes Maul. Ihr größtes Merkmal ist aber Herschsucht.  Sie wollen herrschen, aber am Ende werden die Schafe von den Böcken getrennt.  Ein Lamm ist immer ein Symbol für Sanftmut und Unschuld und steht auch Symbol für Wehrlosigkeit. Es kann sich selbst nicht wehren, es ist so verletzlich. Siehst du es vor dir, das Lamm Gottes in der unsichtbaren Welt, das von Gott geschützt wird? Dieses Lämmchen, das Lamm Gottes geht voran, denn wir bejahen, was in Offb.14,4 steht:  Wir folgen dem Lamm, wohin es auch geht. Und worauf  läuft das hinaus? Dem Lamm folgen bedeutet also in seinem Tempo, in seiner barmherzigen Gesinnung folgen. Dann werden auch dir Güte und Gnade folgen. Und wenn das Lamm über seine Schulter schaut, dieses Lamm Gottes, und es sieht uns, dann kann er auch sagen: Gnade und Güte folgen mir, denn von diesen Schafen, von diesen Menschen, gehen Gnade und Güte aus. Das sind seine Nachfolger. Denn der Ausdruck “Jesus folgen” wird bei passender und unpassender Gelegenheit gebraucht.  Wer hat aber den Mut, dem Lamm in seiner Wehrlosigkeit zu folgen? Wer? Das Lämmchen geht uns voran.
 
Ich lese euch jetzt noch eine Weissagung vor, die einer Schwester von uns, die in einem psychiatrischen Krankenhaus wohnt, sehr hilfreich ist und die sie am Leben hält:
 
Für euch, für euch, die ihr geschlagen sind und ängstlich seid, ihr, die ihr von links und rechts getreten wurdet, ihr Mißbrauchte und Flüchtlinge . Tief in euch lebt ein starkes Verlangen nach Liebe, geliebt zu werden, um jemands Geliebte zu sein. Ein Sehnen, das so stark ist, daß es in eine Schrei ausartet. Diese Schrei wird von Gott in der Gestalt eines Menschen, eines Menschen in der Gestalt Gottes, beantwortet. Vertraue dich selbst, mit allen deinen Wunden, deiner Wehrlosigkeit, deinem verborgenen Kummer, Gottes Vertrauten an. Aber danach? Sehnst du dich auch nach jener Art von Mensch-sein, wo jeder sicher ist bei dir, weil du ein liebevoller Mensch bist? Eine der zuverlässigen Quellen Gottes? Sein Baum? Dann wirst du die Geschlagenen umarmen dürfen, die Ängstlichen befreien können, die Aus-gestoßenen erhöhen dürfen, den Mißbrauchten wahrhaftiges Leben geben und den Flüchtlingen ein ewiges Haus, die Verkannten bestätigen. Gnade anstatt Urteil verleihen und dann wird von euch gesagt werden: “Seht meine Geliebten, hört auf sie”.
 
Amen.
 
 
Ich möchte ganz kurz beten: Vater, lehre uns, ein Lamm zu sein und dadurch ein guter Hirte zu werden.
 
Amen.